Der ständige Lobgesang auf den öV kann ich leider nicht nachvollziehen.
Sicher ist es volkswirtschaftl. inkl. ökologisch sinnvoller, den öV zu benutzen, als alleine in einem 5-Plätzigen Auto zu sitzen.
Aber auch öV ist alles andere als ein nachhaltiges Verkehrsmittel.
Woher kommt denn die Energie=Strom für deren Betrieb? Aus AKWs, Kohle- oder mit dem eingespartem Benzin betriebenen Kraftwerken?
Was an der ständigen Zunahme von Mobilität positiv sein soll, sehe ich nicht.
Das Parlament hat seine Aufgaben nicht gemacht und durch eine intelligente Siedlungspolitk dafür gesorgt, das die Wege für die Bürger kurz bleiben.
Früher arbeitete man 10Std./Tag und wohnte gleich “um die Ecke” und hatte den Einkaufsladen für den täglichen Bedarf gleich nebenan.
Heute arbeitet man 8 Std./Tag hat aber noch 2 Stunden Arbeitsweg nach hause, wo dann vielfach kein Lebensmittelladen, kein Kino, kein Arzt etc. vorhanden ist. Das wird dann als Wohlstandsgewinn verkauft (Mobilität=Lebensqualität?) auch wenn auf Kosten von Ressourcen und Umwelt.
Auch Investitionen in den öV verursachen Mehrverkehr genauso wie auf der Strasse.
Das zeigt der NEAT-Lötschbergtunnel, der statt einer Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene vor allem zu mehr Freizeitverkehr geführt hat. Darum kommt jetzt die Forderung nach noch mehr Steuermilliarden für einen zweiten Tunnel.
Besser eine Abgabe auf umweltzerstörendes, volkswirtschaftskostenverursachendes Verhalten, die dann auf alle Bürger gleichmässig verteilt wird.
Dann kann jeder selbst entscheiden, ob er lieber die höhere Miete/Steuern/etc. in der Nähe des Arbeitsplatzes bezahlt oder lieber freizeitraubend und teuer pendelt und dafür noch ein bisschen Grün vor der Hütte anglotzen will bevor es dunkelt, während der Städter schon lange in der stadteigenen Badi sich vom Arbeitstress erholt.
Besser den Treibstoffzoll abschaffen oder zumindest teilweise in eine CO2-Steuer zugute aller Bürger umwandeln.
Dann wird nicht ständig zusätzliche neue Verkehrsinfrastruktur vor allem in Randregionen gebaut, weil das Treibstoffkässeli wieder mal übervoll ist. Siehe auch auch probleme-der-randregionen-lost-der-kanton-die-stadt-muss-selbst-fur-sich-schauen. Überall wird Geld investiert, nur nicht dort wo das Verkehrsaufkommen am grössten ist.
Bei Agglomerationsprogrammen werden Millionen und Milliarden Zwangsabgaben zugunsten öV oder MIV umverteilt.
Dabei wird mit jedem zusätzlichen Tunnel, jeder verbreiterten Strasse, jedem Ausbau der Gleisinfrastruktur die zukünftigen fixen Unterhaltskosten für die Allgemeinheit erhöht. Das heisst immer mehr Abgaben/Steuern müssen irgendwo erwirtschaftet werden. Fehlen diese jedoch, wird dann einfach die Staatsquote wieder erhöht oder Schulden gemacht, die zukünfige Generationen begleichen müssen?
Irgendwann sind wir aufgrund unserer hohen Infrastrukturkosten global nicht mehr konkurrenzfähig.
Wenn jemand eine Stunde Arbeitsweg im Auto hat und ein anderer mit dem Fahrrad, dann führt das Verhalten des Autofahrer zu keinster Effizienzsteigerungen unserer Volkswirtschaft, sondern nur zur Nachfrage nach höhrer Verkehrsinfrastuktur=höherer Staatsquote.
13 responses so far ↓
Gerry // Jun 24th 2009 at 13:41
Das ist ein sehr interessanter Ansatz – auch ich finde, dass mehr Mobilität nicht zu mehr Lebensqualität führt. Gar nicht wenige benötigen mehr als 2 Stunden am Tag für An- und Abreise zum Arbeitsplatz. Und wenn man dann noch die Fahrtzeit und auch -kosten für Einkauf und Freizeit(stress) dazurechnet frage ich mich, ob das gefördert werden soll.
Auch wenn ich nicht der Meinung bin, dass die Mobilität die Lebensqualität unbedingt fördert, so muss ich auch zugestehen, dass es einfach für viele Leute nicht anders möglich ist, als täglich zu ihrem Job zu pendeln. Ich wohne im Zentralraum muss aber zu meinem Arbeitsplatz aufs Land auspendeln. 90 % machen es wahrscheinlich umgekehrt.
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Irgend ne Ahnung wie sehr das verallgemeinerbar ist?
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